Rettungskräfte attackiert

Aus dem Gerichtssaal:

Rettungskräfte attackiert

Der Richter muss sich in Geduld üben: Der Angeklagte, der um 9.15 Uhr vor ihm sitzen sollte, lässt auf sich warten. „Morgen“, nuschelt Lukas M.*, als er mit zehnminütiger Verspätung den Gerichtssaal betritt. Es scheint genau zu den erhobenen Vorwürfen zu passen: Respektlos soll sich der 20-Jährige verhalten haben. 

Einen Rettungseinsatz habe er behindert und Helfer attackiert. Bei einem weiteren Vorfall auf dem U-Bahnhof Biesdorf-Süd wird ihm Beamtenbeleidigung vorgeworfen.

„Ich bin keiner, der ohne Grund um sich schlägt“, verteidigt sich Lukas M. Außerdem habe er sich geändert, lasse die Finger von Drogen und nehme an einer Jobcenter-Maßnahme teil. „Da bessert man sich und wird für irgendwelche alten Sachen zur Rechenschaft gezogen“, nörgelt der Angeklagte.

 

Lukas M. wird vorgeworfen, nach einem durchzechten Abend derart ausgerastet zu sein, dass Retter durch ihn in Not gerieten. „Ich weiß nur noch, dass mein Freund plötzlich am Boden lag“, rechtfertigt sich M., der damals in Hellersdorf wohnte. An Blaulicht und Rettungswagen könne er sich kaum erinnern. Die Sanitäter wollten seinen bewusstlos am Boden liegenden Kumpel gerade versorgen, als M. zum Angreifer wurde. Er ging auf zwei Beamte der Feuerwehr, auf Rettungsassistenten und Polizisten los.

 

„Er war nicht zu bändigen“, schildern die Zeugen. Sie hätten auf den Störer eingeredet: „Lass uns unsere Arbeit machen!“ Doch der habe weiter geschubst, geschlagen und sich mit ausgebreiteten Armen auf die Straße gestellt, als der Patient ins Krankenhaus gebracht werden sollte.

Leider sind Angriffe auf Hilfeleistende und Polizisten inzwischen trauriger Alltag. Laut Kriminalstatistik wurden 2017 in Berlin mehr als 6.800 Polizisten und 235 Rettungskräfte beschimpft, beleidigt, angespuckt oder geschlagen. „Über Beschimpfungen regen wir uns gar nicht mehr auf“, sagt ein 43 Jahre alter Rettungsassistent, der es mit M. zu tun bekommen hatte. Ein Feuerwehrmann hält „Hass auf Uniformen“ für ein mögliches Motiv. In anderen Fällen seien Alkohol und Drogen mit im Spiel. Lukas M. war betrunken – wie so oft damals. Und er sei mehrfach als Störer aufgefallen, so ein Beamter. Bei Lärm am Biesdorfer Baggersee habe er den Angeklagten erlebt und als Pöbler auf dem U-Bahnhof Biesdorf-Süd. Gegen den jungen Mann liefen bereits Verfahren wegen Diebstahls, Widerstands und Sachbeschädigung. Eine Ausbildung brach er ab.

 

Der Richter sagt, der Angeklagte müsse endlich Verantwortung übernehmen. Lukas M. wird wegen Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Hilfeleistende der Feuerwehr, Widerstands und Beleidigung zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem soll er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, um an zwei Opfer je 700 Euro Schmerzensgeld zahlen zu können.                  

 

Kerstin Berg

(*Name von der Red. geändert)

 

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